25 Jahre Linux

Computerlogbuch, Weltzeit 25.8.1991 22:57:08, Logeintrag von Linus Benedict Torvalds

Hello everybody out there using minix -
I'm doing a (free) operating system (just a hobby, won't be big and professional like gnu) for 386(486) AT clones.  This has been brewing since april, and is starting to get ready.  I'd like any feedback on things people like/dislike in minix, as my OS resembles it somewhat (same physical layout of the file-system (due to practical reasons) among other things).

Linus Torvalds
Das ist der berühmte Eintrag im Usenet, mit dem LINUX seinen friedlichen Siegeszug begann. Was daraus wurde, wissen wir. Das freie Betriessystem wurde begeistert aufgenommen und zum wichtigsten Baustein einer Revolution mit dem Namen GNU. Ausgeschrieben heisst das GNU is not UNIX.

Vergessen wir mal einen Augenblick den Programmiererwitz und schauen auf die wirkliche Bedeutung des Ereignisses, ohne das es heute GNUniX so wenig geben würde wie hunderttausende andere Firmen und freie Programme. Es gäbe keine Wikipedia und kein SPIP, kein Android und kein Fairphone. IBM und Microsoft hätten volle Kontrolle, Google wäre ein Begriff für Mathematiker, und Millionen Menschen müßten heute ohne ihre Freunde leben, die sie dank GNU/LINUX und der Bewegung für freie Software gewonnen haben.

LINUX ist das Werk eines jungen Softwarearchitekten, der wie Hans im Glück sein Werk großzügig verschenkte. Nun ist es im wirkichen Leben manchmal besser als im Märchen, und Linus Torvalds erhielt sein Werk vielfach und verbessert zurück und wurde ein reicher Mann.

Der Gesellschaftsarchitekt, dem wir das verdanken heißt Richard Stallmann. Dieser Programmierer und Aktivist verändert die Welt seit 33 Jahren durch seine Implementation der Idee freier Software GNU und als unermüdlich reisender Vortragender. Stallmann und der sechzehn Jahre jüngere Linus Torvalds haben die Menschheit mehr vorangebracht hat als alle Politikprofis.
Richard Stallman
Wir freuen uns mit ihnen, und wir arbeiten mit ihnen zusammen an dieser friedlichen weltweiten Gemeinschaft, die alle, aber auch alle politischen, kulturellen, religiösen Widersprüche überwindet und auflöst. Sie ist der Beweis für die schöpferische Kraft des menschlichen Gedankens. Am fünfundzwanzigsten Geburtstag von Linux feiern wir, dass wir dabei sind, die Welt zu ändern. Durch LINUX hat sich das Vorstellbare in Wirklichkeit verwandelt, LINUX ist die revolution at your fingertips.

Wunderbar. Danke.

P.S. Als wir 1995 unser erstes Linux "aufsetzten", war das fast wie die Aufnahme in einen exklusiven Freimaurerzirkel. Wer Linux installieren wollte benötigete zumindest ein teures CD-ROM Laufwerk mit SCSI-Anschluss, denn Treiber für IDE-CD-ROM gab es nicht, und ein Download über das Internet war nur in Forschungseinrichtungen mit direktem Anschluss an an den DFN-Backbone möglich. Also kaufte man ein Buch, mehrere CD-ROM, und freute sich auf die anstehenden langen Nächte mit Kaffee, Zigaretten und summenden Lüftern, die noch vor einem lauffähigen System lagen. Es war Adventsszeit für Geeks und Nerds.

Das Linux der Anfangszeit war nichts für Endanwender, und so mußten wir noch ein paar Jahre lang unseren Freunde und Kunden beim Umschiffen der Klippen von Kleinweich-Land zu helfen. Zehn Jahre später wurde es auch für "normale" Computernutzer möglich, mit Linux zu arbeiten, und heute sind nur noch wenige Spezialbereiche fest in der Hand der Softwaregiganten.

Jetzt sind wir in der Lage, in Büro und Künstleratelier all das mit Linux und freier Software zu tun, was vor zehn Jahren noch unter Kontrolle der Fensterfirma stattfand. Heute helfen virtuelle Maschinen, wo Spezialsoftware eine proprietäre Plattform voraussetzt und gelegentlich assistiert auch ein freundlicher Apfelrechner.

Viel wichtiger noch sind die Projekte, welche mit proprietären Programmen überhaupt nicht möglich wären. Linux hat unsere Möglichkeiten und unseren Horizont erweitert, berufliche Entscheidungsfreiheit, niedrige Kosten und dankbare Fragestellungen gebracht. Nicht zuletzt fühlt es sich einfach gut an, unabhängig von einem Hersteller zu sein, weil jederzeit alle relevanten Informationen frei zur Verfügung stehen.

P.P.S. Zwei Videos über die geistigen Hintergründe und die Entstehung von Linux


Richard Stallman spricht über die Bedeutung von free open source software.


The Code: Story of Linux (2001, mit Untertiteln)
Die finnische Dokumentation über GNU/Linux zeigt einige der einflußreichsten Akteure der free open source software (FOSS).
Regie: Hannu Puttonen